Auschwitz

Eine Vorbemerkung will ich doch noch machen: Als ich diesen ersten Text 2008 schrieb, war ich noch am Ort des Geschehens, in Auschwitz, mit der Exkursion, die es ca. 60 Schülern der 10. Klasse aus zwei Schulen ermöglichte ihr Geschichtsinteresse zu stillen und auch ein Stück weit mehr aufzuklären als es im regulären Unterricht möglich ist. Ich selbst war damals in der Kreativgruppe, einer der verschiedenen Arbeitsgruppen in denen wir unsere Erlebnisse und die ganzen Fakten verarbeiten und in Plakaten u. ä. umsetzten konnten. Wir hatten in den Führungen von einem Mädchen gehört, das überlebte (befreit wurde) und später wieder zurückkam und sich selbst und Teile ihrer Familie auf den Fotos des Museums wiedererkannte. Was daran der Wirklichkeit entspricht und was wir damals im Rahmen der Gruppe hinzufügten kann ich nicht mehr sagen. Dies hier ist mein persönlicher erster Versuch unser Vorhaben die Geschichte kreativ in Form einer Geschichte, später eines Gedichts, umzusetzen. Der erste Teil sind meine eigenen Gedanken, der zweite Teil die Erzählung zu Papier gebracht.

 

Auschwitz

 

Polen, 2008

 

Bedrückend - Unfassbar

Licht - und doch nebendran Dunkelheit

Augen – deine Sinne nehmen alle Informationen auf,

du siehst Reste, Überbleibsel, Bilder

hörst Geschichten, Zahlen, Vergleiche -

aber dein Gehirn begreift es nicht -

Ist nicht fähig dies zu verarbeiten …

Du ahnst welche Bedeutung diese Informationen - diese Bilder haben

aber es ist dir nicht möglich es zu fassen - zu halten - zu verstehen

Außen. Du siehst alles „leer“

- hast erfahren was hier war -

Das Leid. Tod. Gewalt. Grausamkeit.

Es gibt viele Worte und Beschreibungen dafür

- und siehst nun alles friedlich daliegen - vor dir

du siehst – Leben.

Das Gras. Die Bäume - und du weißt

sie waren damals auch schon hier.

sie wissen wie sich alles abgespielt hat.

sie sind stumme Zeitzeugen

Es ist schwer sich Allem, was hier passiert ist,

bewusst zu werden - es zu begreifen - zu verstehen

Einerseits weißt du es - bildest dir deine Meinung

Aber andererseits ist alles unwirklich –

wie eine Halluzination oder ein Traum …

wie Geschichten aus einer anderen Welt - einer anderen Zeit

 

Das ist Auschwitz

 

 

 

Bedrückend - Unbegreifbar

Es ist ein friedlicher Tag

Aber diese dunklen Berge neben mir sind bedrückend

Meine Sinne nehmen alle Informationen auf

Ich sehe die Überbleibsel – Die Bilder

Ich höre die Geschichten – Zahlen – Vergleiche

Mein Geist ist informiert

Er versucht zu verarbeiten

Zu realisieren

Ja, zu verstehen

Aber alles ist so unwirklich

Unbegreifbar

Unfassbar

Ewig weit entfernt

Er weiß es ist so gewesen

Aber ihm ist es nicht bewusst

Er ist überfordert

Ungläubig

Ich bin es.

Und dann stehe ich vor einem Bild

Die Rampe in Birkenau und da stehen sie

Meine Tante, meine Cousins …

Meine eigene Familie

Und ich erinnere mich

Dass es meinen Verwandten so ergangen ist

Sie waren alle hier

Und sind alle tot.

Sie begreift das Alles,

was eben unwirklich und unfassbar war

wird harte Realität

und sie wird sich immer sicherer,

dass alles Das passiert ist

Ihr Sohn: „Mama das Mädchen auf dem Foto da 

sieht aus wie du!“

und ihr Blick fiel auf ein Mädchen

nicht älter als dreizehn

und sie erkannte -  sich selbst

zwischen ihren Verwandten.

Sie begreift

Jetzt nach zwanzig Jahren

Dass sie jetzt auch hätte tot sein können

Dass sie selbst hier war

Und ist entsetzt

Erleichtert

Wieder verwirrt

Aber sie versteht mehr als damals.

10.8.11 10:48

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